Brautkleid bleibt Brautkleid

Vor einiger Zeit war es ja so weit; ein Termin, um den wohl keine Braut drumherum kommt. Der Brautkleid-Kauf! Für viele Bräute bestimmt das Highlight,aber wenn man, wie ich, eine plussize Braut ist, ist das schon irgendwie ne andere Sache. Ehrlich gesagt, hatte ich riesen Bammel vor diesem Termin. Was, wenn die Beraterin unfreundlich zu mir ist und mich direkt mit dem Satz „In ihrer Größe haben wir hier nix“ empfängt? Am besten noch gepaart mit einem abschätzigen Blick. Was, wenn die Auswahl total begrenzt ist? Was, wenn ich mit der Verkäuferin in die Umkleide muss und sie mich ohne Klamotten sieht? Was, wenn ich zwar ins Kleid rein, aber nicht mehr raus komme? (wehe, eine von Euch lacht jetzt?🙂 ) Was, wenn ich dann mit den Kleidern raus aus der Kabine muss, und alle anderen Begleitungen der Bald-Bräute starren mich an? Um mich selbst zu motivieren (und auch um zu sehen, dass noch viel dickere Frauen tolle Brautkleider bekommen….haha), hab ich dann regelmäßig sixx geguckt, denn dort läuft eine Doku über einen irren Brautmodenladen in den Staaten, der auch Wahnsinnskleider in plussize führt und fast alle Bräute glücklich macht.

Tja und dann war er da, der Tag X, ein Montag, an dem ich mich mit zwei Freundinnen (Trauzeugin und ganz liebe Freundin) Richtung Heide aufmachte, um dort in der berühmt berüchtigten „Scheune“ aka Laue-Festmoden mein potentielles Brautkleid zu finden. Ausgestattet mit einigen Bildchen meiner pinterest-Brautkleid-Recherche ging es los. (Den Link dazu findet Ihr hier: KLICK )

Angekommen, wurden wir von einem jungen Mann empfangen, der sich höflich nach dem Anlass des Besuchs erkundigte („äh…wir suchen ein Brautkleid“) und dann wissen wollte, wer denn die Braut sei. Da wär ich schon am liebsten fast weggerannt. Mutig hab ich ihn dann aber angelacht und gesagt „ich bins“.

Wir sollten ihm dann folgen; und das war vermutlich schon ein Bild für die Götter, denn er im Affentempo vorweg durch sämtliche Räume, kleine Treppe hier, dann nach rechts, Treppe wieder rauf, nach links; um ihn nicht zwischen all den Schaufensterpuppen zu verlieren, blieb ich ganz dicht auf den Fersen, verlor aber dabei fast meine zwei Mädels, die schon unheimlich viel Spaß daran hatten, total häßliche Bräutigamklamotten zu betrachten. Rosa Hemden, lila Hemden, Krawatten in den absurdesten Farben, weiße Lackschuhe, weiße Schuhe im Reptilleder-Look….uuuaaaahhhh! Mit Herrn M. konnte ich da schon mal nicht hingehen; kannste vergessen Astrid, der rennt hier so wieder raus. Aber um ihn ging es an dem Tag nun mal nicht. Meine Gedanken kreisten gerade um eine wesentlich wichtigere Sache, denn ich dachte die ganze Zeit: „Na toll… da fährst du einmal in einen Brautmodenladen; bist so mutig und dann?? Wirst du von dem vermutlich einzigen männlichen Mitarbeiter hier betreut. Das darf doch alles nicht wahr sein!“ War es dann auch, Gott sei Dank, nicht. Denn dann kam die Rettung in Form einer äußerst kompeteten Verkäuferin namens Heike.

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Heike schaute uns drei an; „Wer ist die Braut?“ Finger hoch; „Welche Größe?“ prüfender Blick von ihr; zerknirschtes Gesicht von mir. „Ich hab da ein paar Bilder mit Ideen mitgebracht.“ Fand sie toll. Gute Vorbereitung der Braut: 1+. „Kommen sie mal mit.“ Wir drei dackelten also hinterher, überall Stangen voll mit weißen Kleidern in meist durchsichtigen Kleidersäcken. Darf man die Kleider überhaupt anfassen, schwirrte mir durch den Kopf. „Hier ist die Reihe mit ihrer Größe. Sie können sich gerne alles ansehen und dann rausnehmen.“ YEAH, genau so haben wir Mädels uns das vorgestellt. Gar nicht so einfach diese wuchtigen Kleider auf den Bügeln hin und her zu schieben. Welches gefällt mir überhaupt? Zu viel Glitzer: raus! Zu schwer: raus! Zu viel Farbe: raus! Neckholder: raus! Zu viel Stickerei und Spitze: raus! Relativ schnell hatten wir so ca. 5 Kleider rausgepickt, mit denen Heike und ich dann in die Umkleide verschwanden. „Äh..ich würde da gerne noch meine Spanx drunterziehen.“ Heike: „Na logo…das machen ja fast alle. Ich warte so lange draußen.“ Puhhhhh, alleine in der Kabine. Schnell im Turbogang in das Ding reingequetscht, Heike das Startsignal gegeben (O-Ton: „Das ging aber flott. Die anderen Bräute brauchen immer ewig, bis sie die Dinger anhaben!“ – Tja, Übung macht den Meister) und los gings. Ich mußte nur die Arme nach oben strecken und schwuppdiwupp rutschte das Kleid an mir runter. Sich danach das erste Mal im Spiegel sehen, war ein ganz eigenartiges Gefühl, zumal ich ja sonst nie Kleider anziehe. Da stand ich nun in der Kabine, in diesem hellen Kleid, hinter mir Heike, vor mir ich selbst im erbarmungslosen Spiegel. Hab mich erst gar nicht getraut zu gucken. Ok, Kopf hoch und raus; mit nem vermutlich ganz seltsamen Grinsen im Gesicht.

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(ja, ich grins auf fast allen Handyfotos so total bekloppt)

Kleid 1 an sich: schöner Schnitt, schöne Farbe; spannte aber mit dem Unter-Reifrock sehr unvorheilhaft am Bauch (der Unterrock war hochgerutscht und hatte eine komische Falte gebildet): Fazit: zu viel Glitzer!

Die Mädels fandens eigentlich recht schön; egal…Kleid Nr. 2 mußte her. Also wieder in die Kabine, Arme hoch, raus aus dem Kleid, Arme hoch, rein in das neue Kleid:

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Gähn…mega langweiliges Kleid; super schwer, Schnitt: langweilig!! Ich sollte mir das dann obenrum runterziehen, denn laut Heike, brauchte ich auf jeden Fall einen „Herzausschnitt“. Aber selbst das machte es nicht besser:

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No way…. damit kann ich ja gar nicht tanzen, das wiegt ja mehr als ich! Also…Kleid 3, und das war das Kleid, was uns auf der Stange schon allen am besten gefallen hatte. Also, the same procedure again…Arme hoch….zick zack und da war es… beim ersten Blick in den Spiegel fand ich es schon sofort toll! Bin dann raus aus der Kabine und hab mich schon damit gedreht; meine Mädels haben sich dann nur angeguckt und gesagt „Da merkt man sofort, dass es ihr gut gefällt. Der Blick, die Haltung…alles ist anders.“ Jaaaaaa, was soll ich sagen? Das Kleid kam meinen Vorstellungen schon sehr sehr nahe. Nachdem ich mich noch diverse Male gedreht habe (und meine Trauzeugin schön im Paparazzimodus losgeknipst hat. Aus den Aufnahmen mach ich mir ein Daumenkino!!), von den anderen Bräuten und Verkäuferinnen aus dem Raum auch nur positives feedback kam, (ganz anders als meine Befürchtungen und so viel Balsam für meine Seele), meinte ich zu Heike: „Ok, ich brauch gar keins mehr anprobieren.“ Ihre Reaktion war leicht geschockt. „Wie???“ Ich hab dann noch eins anprobiert, aber das kann es nicht gewesen sein, denn es war uns nicht einmal ein Foto wert und erinnern kann ich mich auch nicht mehr an die Form.

Zurück in der Kabine mußte ich dann doch mal nach dem Preis fragen; ja, Brautkleider sind teuer, darüber müssen wir hier nicht diskutieren. Wir sind dann noch ins dazugehörige Café gegangen und ich hab erstmal Herrn M. angerufen. „Ja…Brautkleid gefunden; wahnsinnig toll; alle findens super…ja, teuer…hmmm… so und so viel“ Herr M: „Ich hab mit mehr gerechnet!“ Vermutlich hab ich ihn mit dieser amerikanischen reality Brautkleidshow total wuschig gemacht, denn die Mädels dort geben meist ein Budget so im Spektrum 1500 bis 3000 Euro an. Hatte also auch was Gutes, dass ich ihn zum Gucken genötigt habe, bzw. zum „Mitgucken“, denn er sass meist neben mir auf dem Sofa, war aber ins Macbook vertieft.

Sollte ich es nun kaufen? Es saß wirklich toll, entsprach genau meinen Vorstellungen, aber war irgendwie auch fast das Einzige in dem Laden, was mit wirklich gefiel. Sollte ich nicht vielleicht doch nich in einen anderen Laden fahren? Es gab da doch noch das Brautmodenoutlet in Lüneburg?! Gerätselt hab ich einige Tage, mir hier und dort noch Rückmeldung zum Kleid geholt (DANKE an whatsap) und mich letztendlich doch DAFÜR entschieden. Anzahlung getätigt und jetzt muss ich irgendwann im August nochmal hin, alles anpassen lassen und dann nur noch Ende September in dem Kleid den ganzen Tag strahlen. Hach, ich freu mich!!!

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6 Gedanken zu “Brautkleid bleibt Brautkleid

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Kleid – auch ganz ohne Randy😉

    (Ja, ich kuck‘ das auch. Wenn der Trash-Faktor höher sein muss, auch die Bridesmaids-Variante aus Atlanta)

      • Ja, davor habe ich auch ein wenig Schiss – vor seltsamen Verkäuferinnen, blöden Blicken oder auch einfach nur, dass sie gar nicht verstehen, was ich will. Oder, genauso schlimm, einem nach dem Mund reden und alles toll finden anstatt gescheit zu sagen, was einem steht und was nicht.

        Vielleicht sollte ich doch die Big Entourage einpacken, nach NY fliegen und dann meinen Verlobten anrufen, damit er mein Budget erhöht😉

  2. Schöne Geschichte. Mir besteht das noch vor und erst hab ich mich tierisch darauf gefreut und seit einiger Zeit (ok seit 6 Monaten) schieb ich den Termin vor mir her. Ich könnt ja noch abnehmen… Aber heute will ich n Termin machen…

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